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Alt 08.11.2009, 13:03   #10 (permalink)
Aerith
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Standard AW: Jetzt zockt man Rentner ab

Zitat:
Zitat von Winnimaus Beitrag anzeigen
Ähm Schwippe...da muss ich Dich leider etwas korrigieren: Eine Demenz ist KEINE Vorstufe für ne spätere Alzheimererkrankung. Das sind zwei verschiedene Erkrankungen, die sich aber in ihrem Verlauf sehr ähnlich sind.
Nein, sorry Winnimaus, da hat schnippewippe Recht. Der Begriff "Demenz" bedeutet erstmal nichts anderes, als dass bestimmte Funktionen des Gehirns eingeschränkt sind. Er beschreibt Symptome, über die Ursache sagt er alleine nichts aus. Eine Demenz kann auch bei jungen Menschen entstehen, z.B. in Folge eines Unfalls oder Gehirntumors. Aber auch Alzheimer ist nach ICD10 eine Demenzerkrankung:

F0 - ICD10 - Medizinische Abkürzungen im Internet

Verwirrend ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass z.B. in der Altenpflege der Begriff Demenz meist für die Multiinfarkt-Demenz oder vaskuläre Demenz verwendet wird, um diese von Morbus Alzheimer zu unterscheiden.


Zitat:
Zitat von Winnimaus Beitrag anzeigen
Eine Demenz ist, grob gesagt, eine absolute Schusseligkeit der alten Leute, weil das Hirn nix mehr abspeichern kann. Bei Alzheimer aber wird, ganz grob gesagt, das Hirn verweicht. Heisst, dass bestimmte Bereiche des Gehirns absterben und somit regelrechte Lücken hinterlassen. Bei der Demenz ist die Hirnsubstanz hingegen noch vollständig in Takt und voll da. Nur die Abspeicherung (sprich die Nervenzellen, Synapsen und Co) funktioniert nicht mehr so richtig.
Auch das ist nach meinen Informationen nicht ganz richtig. Bei der vaskulären Demenz werden Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet (z.B. durch Arteriosklerose - der Volksmund spricht dann vom "Verkalken" - bzw. durch viele kleine Schlaganfälle). Die betroffenen Areale sterben hier aufgrund des Sauerstoffmangels ebenfalls ab und sind irreparabel geschädigt, bleiben also nicht wirklich intakt.
Da ich während meiner Ausbildung längere Zeit auf einen Platz in der Fachschule warten musste, hab ich mit 19 mal einige Monate stundenweise in einem Altenheim gearbeitet (nicht in der Pflege - Beschäftigung, Essen anreichen usw.). Auf meiner Station gab es damals 22 Bewohner, davon litten ca zwei Drittel unter vaskulärer Demenz im fortgeschrittenen Stadium. (Menschen mit "echter" Alzheimer wurden dort gar nicht aufgenommen, weil für die der Personalschlüssel zu niedrig war, die hatten eine andere Pflegestufe. Wie das heute ist, weiß ich nicht.)
Aber auch die Multiinfarkt-Demenz würde ich nicht nur als "absolute Schusseligkeit" bezeichnen. Die Betroffenen werden teilweise sogar hochaggressiv - ich hatte z.B. eine Bewohnerin, die fast jeden Abend wenn der Wagen mit dem Essen auf die Station kam und ich es verteilen wollte, mit einem Messer (zum Glück nur eins vom normalen Essbesteck) vor mir stand, und mich aufforderte, sofort "ihre Küche" zu verlassen, da ihr Mann gleich nach Hause käme und sie noch "das Fleisch machen" müsste. Die ist dann zum Glück irgendwann in die Gerontopsychiatrie gekommen.
Ich kann auch verstehen, dass vielen Angehörigen der Umgang mit erkrankten Familienmitgliedern schwerfällt. Mir ist die Arbeit da damals ziemlich an die Nerven gegangen (zumal meine "Lieblingsbewohnerin" ausgerechnet an Weihnachten unerwartet verstorben ist). Daher gehören auch besonders die Altenpfleger/innen noch heute zu den Berufsgruppen, die ich sehr bewundere - ich könnte das auf Dauer sicher nicht!

Viele Grüße
Aerith

Geändert von Aerith (08.11.2009 um 13:22 Uhr) Grund: Buchstaben vergessen
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